Sie sind nicht angemeldet. Wenn dies Ihr erster Besuch hier ist, lesen Sie sich die Hilfe des Forums durch.
Dort wird Ihnen die Bedienung des Forums näher erklärt.
Sie müssen außerdem registriert sein, um alle Funktionen dieses Forums zu nutzen.
Benutzen Sie das Registrierungsformular um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsprozess.
Um Beiträge zu lesen, suchen Sie sich das Forum aus, das Sie interessiert.
Falls Sie bereits in diesem Forum registriert sind, können Sie sich hier anmelden.
Bollywood ... Teletubbies auf indisch?
Die Grundlagen der heutigen Bollywoodfilme wurden bereits 1931 in dem ersten Tonfilm Alam Ara festgelegt. Dieses zweistündige Epos um eine königliche
Familie wird getragen von Liebe, Drama sowie Musik- und Tanzeinlagen. Die heutigen Produktionen müssen dabei mindestens 5 solcher Tanzeinlagen von
jeweils 5-6 Minuten aufweisen um beim Publikum nicht durchzufallen.
Das diese choreografischen Ergüsse mit der eigentlichen Handlung des Films nichts zu tun haben, stört offenbar niemanden. Ganz im Gegenteil.
Durchschnittlich wirft die indische Filmindustrie mit über 900 Produktionen weit mehr Filme auf den Markt als Hollywood. Die meisten davon sind Low-Budget
Filme in einer Qualität, die bei weitem nicht an das Niveau der Teletubbies heranreichen.
Mädchen und Frauen über 3 Generationen hinweg sind völlig aufgelöst und schmachten dahin, wenn indische Topmodels mit einer schauspielerischen
Leistung, die mehr an eine Choreografie der Teletubbies erinnert, über die Leinwand hüpfen und Ohrenkrebs erzeugen.
Sicher, Bollywoodfilme sind weltweit immer mehr im kommen, keine Frage. Doch was ist an diesem Genre so faszinierend, das selbst Frauen jenseits der
Menopause förmlich dahinschmelzen lässt?
Die Filme selbst sind für den einen oder anderen möglicherweise eine Zumutung. Doch gemessen an den geistigen Ergüssen, die nach diesen ästhetischen
Grenzerfahrungen dann z. B. in Foren wie Bollywoodforum.de
oder Bollywoodsbest.de der Internetwelt
zugemutet werden, sind die Dialoge der Mainzelmännchen eine hochphilosophische Diskussion.
"Akshay Kumar schenkte kürzlich seiner Mutter einen ganz neuen BMW. Der Schauspieler, dessen Großzügigkeit oft geheim gehalten wird, wurde dabei gehört,
wie er engen Freunden erzählte, wie glücklich er sei, seiner Mutter das Auto geschenkt zu haben."
"Die meisten Bollywood Stars haben heutzutage schöne Körper und zeigen sie, nachdem sie mit allerlei Hilfsmitteln die Haare losgeworden sind. Bei Farhan
Akhtar's Talk-Show sagte Abhishek Bachchan kürzlich, dass er einer der letzten Stars ist, der seine Brust-Haare (EDIT: *räusper* die 3 Fusseln? Wie war das noch
mal… Ich hab 3 Haare auf der Brust, ich bin ein Bär!) behalten hat. Und Abhishek sollte glücklich sein zu wissen, dass Frauen es mögen!"
Wenn die Filme selbst schon eine Zumutung für Augen und Ohren darstellen, dann erfüllen die o.g. Kommentare sicherlich den Tatbestand der Körperverletzung.
Immer mehr Westeuropäer schauen sich heutzutage Bollywoodfilme an und verfallen wahrhaftig in den Glauben, das Indien ein Land ist, wo alle mit farbigen Kleidern
herumlaufen, den ganzen Tag lachen, singen, tanzen und völlig stressfrei ihren Lebensalltag bewältigen.
Nun ... die Realität könnte kontrastreicher nicht sein, denn ein Großteil der ca. 1,1 Milliarden Menschen in Indien leben in winzigen Lehmhütten und die Straßen
sind belebt von Verkrüppelten, Todkranken und Bettelnden. Doch genau hier fängt sich, zumindest in Indien, die Beliebtheit des Genres Bollywood an selbst zu erklären.
Für 3 Stunden einmal der Wahrheit entfliehen, sich in einer heilen Welt fühlen wie die Schauspieler, ohne Krankheit, Armut, Kinderarbeit und Depression, als hätte man
es selbst auch geschafft.
Für westeuropäische Konsumenten dieses Genres fehlt jedoch nach meiner Einschätzung das Bewusstsein dafür, dass das wahre Leben in Indien eben ein anderes
ist, als das in den Filmen ... und genau hier ist die indische Filmindustrie angesprochen.
Ich denke das es wichtig ist, neben der romantischen heilen Welt auch darauf aufmerksam zu machen, das es immer noch Kastensysteme, Zwangsehen, unzählige
Verkrüppelte, Kinderarbeit und vor allem kein Sozialsystem in Indien gibt.
Es ist an der Zeit, das die Bollywood-Filmindustrie beginnt, wesentlich mehr Sozialkritik zu üben, der Realität „Armut“ mehr Freiraum in ihren Filmen lässt und diese
auch besonders thematisiert. Es ist nun mal kontraproduktiv, einer armen Bevölkerung permanent den Reichtum und die Glückseligkeit der „Schönen und
Reichen“ zu präsentieren in der Hoffnung, das sich diese bis zum jüngsten Tag damit zufrieden gibt, 3 Stunden lang durch einen solchen Film ihrer Realität entzogen zu
werden.