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| Neue Verpackungsverordnung vs. Mathematik |
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Es ist schon erstaunlich, welche Blüten die Liberalisierung der neuen Verpackungsverordnung hervorbringen kann. Seit dem
11. April 2009 sind nahezu alle Packungsgrößen und Füllmengen gestattet. Eine Konsolidierung dieser Mengen- und Größenstandards
wurde nur für Spirituosen, Wein und Sekt vorgesehen.
Ein Preisvergleich wird für den Verbraucher demnach zu einem mathematischen
Spagat zwischen Dreisatz und Prozentrechnung, wie das nachfolgende Beispiel eindrucksvoll belegt:
Nun ... da stellen wir uns mal ganz dumm und vergleichen doch mal zwei Flaschen eines bekannten Waschmittels miteinander.
Genauer gesagt handelt es sich hierbei um eins jener Produkte, die uns von der personifizierten Waschmittelikone Klementine in den
Jahren 1968 bis 1983 in nahezu allen Werbesendungen mit dem Slogan "Nicht nur sauber sondern rein" angepriesen wurde.
Also, wie man sehen kann ist lediglich der Henkel und das Etikett unterschiedlich. Das Produkt selbst ist völlig identisch.
Wenn man nun jedoch etwas genauer hinschaut, stellt man doch kleinere Unterschiede fest, die einen daran zweifen lassen, jemals zur
Schule gegangen zu sein. Doch eins nach dem anderen.
Zunächst einmal findet man auf dem vorderen Etikett der alten Flasche einen Hinweis, das der Inhalt für 20 Wäschen ausreicht. Auf der neuen
Flasche wird mit einer "neuen Grösse" von 18 + 2 Wäschen geworben.
Nun, den Mehrwert gegenüber der alten Flasche mit 20 Wäschen
vemag ich spontan nicht so richtig zu erkennen, da nach meinem mathematischen Grundverständnis 18 + 2 Wäschen gleichfalls 20 Wäschen ergeben.
Die neue Flasche wirbt zudem mit dem Hinweis, das sie jetzt 10% mehr beinhaltet. Sehr merkwürdig. Wenn in der neuen Flasche laut Etikett 10 % mehr drin
sind, wieso sind dann lediglich 18+2 Wäschen möglich? In der alten Flasche waren es doch schon 20 Wäschen!
Wie auch immer, vielleicht kommt die Erleuchtung ja, wenn wir uns die Rückseite der Flaschen etwas näher anschauen.
Beim Anblick der Inhaltsangaben wird es dann allerdings völlig verückt. Die neue Flasche hat nach Herstellerangaben jetzt nicht nur 10% mehr Waschkraft
(Wir erinnern uns!) sondern mit 1,4 Liter auch noch weniger Flascheninhalt als die Alte.
Jetzt wollen wir das aber auch zu Ende rechnen. Wenn also die 1,4 Liter der neuen Flasche zudem noch 10% mehr Waschmittel beinhaltet, (also insgesamt 110%)
dann sind bei einer Rücknahme dieser Werbeaktion nur noch 100% bzw. 1,273 Liter in der Flasche. Die Differenz von 0,227 Liter entspricht dann einer Mindermenge
von 15,13% ... und das bei gleichem Preis.
Die Chemiker des Herstellers sind sicherlich Spitze, die Mathematiker natürlich auch und die Marketingstrategen sind besonders Spitze. Nur sollten diese Leute innerhalb
eines Konzerns dringend an Ihrer Kommunikation arbeiten.
Sie alle scheinen nicht miteinander zu reden. Wie sonst ist es möglich, das bei einem absolut identischem
Produkt und weniger Inhalt, aber bei gleichzeitiger Botschaft eines zehnprozentigen Mehrwertes der Verbraucher so dermaßen verarscht wird.
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